Ein Hund im Büro?

Am 30.6.2016 ist der „Tag des Bürohundes“. Dies nahm ein Kunde von mir zum Anlaß das Thema aufzugreifen. Er wurde vor kurzem von einer Mitarbeiterin angesprochen, ob sie ihren Hund – einen mittelgroßen Mischling –  mit ins Büro bringen dürfte. Er war bisher tagsüber bei ihrer Mutter. Diese mußte aber nun ins Krankenhaus und anschließend vermutlich in eine Reha und eine Alternativbetreuung war so schnell nicht aufzutreiben.

Dies wollte ihr Chef nicht allein entscheiden, denn schließlich ging das Problem alle Mitarbeiter an. Er selbst hätte nichts dagegen gehabt, denn er war ein ausgesprochener Hundeliebhaber, aber was die anderen 30 Mitarbeiter davon hielten, vermochte er nicht zu sagen.

Da kam ihm die Idee, die Entscheidung mittels Konsensieren zu ermitteln. Auch wenn die endgültige Entscheidung bei ihm lag, würde er so doch ein Stimmungsbild erhalten, das es ihm erleichtern könnte eine abschließende Entscheidung zu treffen. Schließlich ging es auch nicht um ein JA oder NEIN sondern um eine Maßnahme, die alle Kollegen mittragen sollten.

Also holte er alle Mitarbeiter zusammen und erklärte kurz die Methode des Systemischen Konsensierens und die Arbeit mit den Widerstandswerten. Dann konnte das Prozedere beginnen.

Folgende Vorschläge wurden gemacht:

  1. der Hund darf mitkommen, wenn er nur bei Frau S. im Büro bleibt
  2. damit sich keine einseitigen Zeit- und Arbeitsdefizite ergeben, kümmern sich alle Mitarbeiter wechselseitig um den Hund z.B. mit ihm Gassi gehen
  3. Frau S. muss sicherstellen, dass ihre Arbeit nicht unter der Betreuung des Hundes leidet z.B. weil Kollegen einen Teil ihrer Arbeit mitmachen müssen
  4. der Hund dürfte sich grundsätzlich im Büro frei bewegen wenn er wirklich so gut erzogen und folgsam ist wie sein Frauchen behauptet.
  5. der Hund sollte nur in bestimmten Bereichen frei laufen dürfen und sonst grundsätzlich an der Leine sein.
  6. es wird eine Probezeit von 1 Woche vereinbart. In dieser Zeit sollte sich zeigen ob es Probleme mit dem Hund gibt. Ggf. wird danach neu konsensiert.

Die Nr. 6 rief bei allen Beteiligten das geringste Widerstandspotential hervor.

Sollten sich aber tatsächlich nach der Probewoche Probleme ergeben,  müßte der gesamte Argumentationsprozeß nicht neu aufgerollt werden sondern könnte zeitsparend nur auf die relevanten Punkte fukussiert werden. Denn es ging ja nicht um ein JA oder NEIN sondern wie der Kollegin geholfen werden kann und die anderen Mitarbeiter die Entscheidung trotzdem mittragen können. Ggf. könnten Vorschläge angepaßt oder verändert werden.